Necro

Necro

Beitrag vom 20. Jan, 2010 von in Allgemein | Interviews

Ein vielgeklickter Dauerbrenner auf GermanRhymes.de seit der Erst-Veröffentlichung am 29.11.2007 – Unser Interview mit Necro hier nochmal im Nachtrag auf der neuen Seite:

Die letzten Worte eines Death-Rappers: Ich möchte, dass alle deutschen Frauen mir die Bälle lutschen und ich ihnen in den Arsch fis*** darf. Und ich denke, dass es für alle deutschen Frauen wichtig wäre, zu meiner Show zu kommen und mit meiner gesamten Crew zu fic***. Ok, wem das zu anstößig ist, der sollte nicht weiterlesen, denn es erwartet ihn ein ungewollt explizites Interview mit einem Mann, der ganz genau weiß, was er will, auch wenn das manchmal ein bißchen gegen die Norm ist. (Foto von Thomas von Wittich)


Hallo Necro, lass uns gleich mit einer Grundsatzfrage anfangen. Wirst du jemals einen lustigen Song machen?
Necro: Du findest meine Drogensongs nicht lustig? Die sind zwar ernst, aber auch irgendwie lustig, oder nicht?

Und was ist mit einem fröhlichen Song mit Happy End, ein Liebeslied zum Beispiel.
Necro:
Meine Pornosongs haben doch Happy Ends. Ich finde Songs übers Ficken und sich die Bälle rausvögeln haben schon ein Happy End. (Gelächter der Crew)

Ok, du bist eine harte Nuss.
Necro:
Was ist denn für dich ein Happy End? Kein Mord am Ende des Songs? Ok, du meinst wahrscheinlich so einen Ice Cube-Song wie “I had a good day” oder sowas. Weißt du, in sowas musst du reinwachsen. Irgendwann kommt vielleicht der Tag, an dem ich mal sowas machen werde. Vielleicht bald.

In welcher welcher Musik fühlst du dich eher zu Hause, HipHop oder Rock?
Necro:
Definitiv im HipHop, denn im Rock gibt es zu vieler Hater. Rocker wollen einfach keinen Knowledge-HipHop. Auch mein Name “Necro” ist wesentlich bekannter und anerkannter in der HipHop-Szene als in der Rock-Szene. Im HipHop gibt es auch eine ganze Bank von Bullshit-Motherfuckern, aber ich bin dort trotzdem eher zu Hause. Im Herzen bin ich aber gleichberechtigt ein Metalhead und ein HipHopHead. Ich finde auch, dass ich mich da nicht entscheiden sollte, ich will beides sein. Und ich will, dass die Leute das ebenso openminded akzeptieren.

Würdest du sagen, dass man als Rapper, der auf Rockbeats rappt, überdurchschnittlich gut sein muss, damit die HipHop-Hörer nicht gleich nach den ersten Takten ausschalten?
Necro:
Also auf Rockbeats zu rappen ist unglaublich schwierig. Die HipHopper haben ihren klaren Kick-Snare-Sound, während die Riffs im Rock alles dominieren und die Drums meist nur Beiwerk sind. Das machst es schwer punktgenau zu flowen. Doch ich denke, dass du zu allererst ein guter Texter sein musst, bevor du über Flow reden kannst. HipHop-Hörer sollten grundsätzlich gute Lyrics als gute Lyrics verstehen und auch schätzen. Klar gibt es einige, die den Heavy Metal-Sound nicht mögen, aber das ist für mich kein Grund sich die Lyrics nicht anzuhören und meine Musik grundsätzlich nicht zu mögen. Grundsätzlich denke ich aber, dass jeder, der meine Musik nicht mag, ein Arschloch ist, das seine Musikhör-Ausbildung noch nicht abgeschlossen hat. (grinst)

Siehst du im Rappen auf Rockbeats auch die kommerzielle Chance des Außergewöhnlichen?
Necro:
Definitiv sehe ich darin keine kommerzielle Chance. Metal und HipHop zu mixen hat keine Zukunft. Warum ich es trotzdem mache? Ich liebe es eigenständigen, originalen Scheiß zu produzieren. Ich will Sachen machen, die es nie zuvor gegeben hat. Jemanden aus einer Metalband mit einem Rapper zusammenzubringen, ist etwas, dass ich mir persönlich gewünscht habe. Mich interessiert nicht die Wirkung der Musik, sondern nur das Experiment an sich. Wenn ich einen guten Drummer höre, dann will ich mit ihm ins Studio gehen und mich ausprobieren. Das einzige, was kommerziell eine Chance hat, bin ich als Rapper, meine Persönlichkeit hinter dem Mikro.

Was ist der größte Unterschied zwischen HipHop-Künstlern und Rockmusikern im Studio?
Necro:
Also wenn ich mit Rappern im Studio bin, dann sage ich denen ganz genau, wie ich etwas haben will. Wenn ich Ill Bill korrigert habe, dann war er so gepisst, dass wir uns manchmal sogar geprügelt haben. Oder Hyde habe ich manche Lines 40 mal machen lassen, bevor ich sie gut fand. Rocker dagegen sind immer sehr schnell und präzise beim Arbeiten, wie Studiomusiker, die man sich mieten kann. Bei den Rappern ist die Zusammenarbeit immer eher persönlich dominiert, während ich die Rocker einfach engagiere und sie meine Vorstellungen umsetzen lasse. Das wäre auch zu kompliziert, weil die so bandmäßig alle ihre Meinungen zu der Musik haben würden. Klar würde ich gerne mal mit Igor Cavalera von Sepultura ein paar Tage im Studio verbringen, aber letztendlich hat er mir ein paar Spuren aus Brasilien per Internet geschickt.

Hast du eine unterhaltsame Anekdote mit Rockmusikern aus deinen Studiosessions zu berichten?
Necro:
Du scheinst sehr an Metalmusik interessiert zu sein, woran liegt das?

Ich habe früher selbst Schlagzeug in einer Rockband gespielt. Ich bin Rock sozialisiert.
Necro:
Trägst du wegen deiner Rockvergangenheit einen Kordmantel? Ich will auch so einen.

Willst du meinen? Wir können tauschen.
Necro:
Nein, deinen will ich nicht, aber brauche unbedingt so einen. Es ist schon ziemlich lange her, dass sowas in den Staaten getragen wurde. (lacht) Ok, jetzt verstehe ich aber, warum du so viele Rock-Fragen stellst.

Ok, dann lass uns nochmal an einer Insiderstory teilhaben, die im Studio passiert ist.
Necro:
Hmm, lass mich nachdenken, irgendeine verrückte Geschichte… Nein, da fällt mir nichts ein. Wenn ich aufnehme, dann bin ich immer mit allem nötigen Ernst bei der Sache. Es hängt auch niemand, der nicht an dem Projekt mitarbeitet, im Studio rum, geschweige denn irgendwelche Frauen. Das ist Business, Mann. Was wirklich Spass gemacht hat, war die Session mit Harley Flanagan von Cro-Mags. Das war pure Energie, wir haben viel gelacht und er hat mir von Suicidal Tendencies und den ganzen Beefs früher erzählt, das war sehr spaßig, das ist ein verrückter Vogel.

Was denkst du über deutsche Rockmusik?
Necro:
Deutsche Rockmusik? Ich war grade heute auf Shoppingtour nach deutscher Musik. Ich respektiere wirklich alle Musik aller Kulturen. Ich kenne aber leider nicht wirklich viel deutsche Musik. Ist Destruction nicht aus Deutschland? Das ist eine Gruppe, die mich in meiner Jugend sehr beeinflusst hat. Technisch hochanspruchsvoller Death-/Trashmetal. Und natürlich Kreator, von denen bin ich auch ein großer Fan. Auch Rammstein ist cool, wie die immer auf die Bühne pissen und sowas.

Und was läuft bei dir zu Hause oder im Auto?
Necro:
Ich höre mir keinen Scheiß an, nur geile Sachen. Ich höre eigentlich nur Necro mit “Death Rap”, aber wenn ich mal was anderes höre, dann Metallica, Slayer, Megadeath und Sepultura, das sind meine Top 4, da geht für mich persönlich nichts drüber.

Schaust du dir diese Acts auch live an und gehst richtig ab im Publikum? Zum Beispiel bei den unglaublich intensiven, teils brutalen Shows von Sepultura?
Necro: Das würde ich, aber leider habe ich Sepultura bisher immer verpasst. Ich habe sie nur ein einziges Mal gesehen, und da war ich erst 12 Jahre alt und habe noch Gitarre gespielt. Es war wirklich mitten im Herzen von Brooklyn, N.Y. und ich bin mit meiner Rockband “Injustice” damals ihr Voract gewesen. Seitdem konnte ich sie leider nie wieder live sehen. Ich bin ein großer Fan von Sepultura. Meine Lieblingplatte ist “Beneath The Remains”. Kennst du die?

Naja, die ist ja ganz cool, aber die “Roots” mit ihren Tribalsounds war wesentlich besser, oder nicht?
Necro:
Ja, das stimmt, ich habe “Beneath The Remains” auch nur gesagt um dich zu testen, ob du wirklich einen Plan von der Musik hast. Auf jeden Fall liebe ich diese brutale Energie der Scheibe. Das gleiche will ich auch für meine Live-Shows. Ich will nicht, dass sich jemand verletzt, aber ich liebe eine gute Moshpit-Action. Letzte Nacht in Kopenhagen hatte ich das Gefühl, dass die Leute nicht krass genug abgehen und bin runter in die Menge gesprungen. Dort habe ich erstmal einen ordentlich Moshpit gestartet. Vorher haben die mich nur angeguckt und sich nicht bewegt. Ok, das sind zwar Fans, aber ich wollte verdammtnochmal einen ordentlichen Moshpit.

Hast du eher Rock- oder Rapfans in deinem Publikum?
Necro:
Hmm, eher HipHop-Fans.

Wissen die überhaupt, was ein Moshpit ist?
Necro:
Ja, meine Fans wissen das im Allgemeinen schon. Ich habe auch einige Hardcore-Fans, die sowas wie Agnostic Front, Madball und Hatebreed und sowas hören. In Norwegen war zum Beispiel ein Mädchen mit einem Metallica-Shirt und ein Typ mit einem Slayer-Shirt da, die wissen das.

Siehst du eigentlich einen Unterschied in der Gewalt und dem Sex, welche du thematisierst, und der, die zum Beispiel 50 Cent oder ein beliebiger anderer Rapper thematisiert?
Necro:
Ja, da gibt es einen riesigen Unterschied. Ich fühle mich zwar auf einer Ebene wie 50 Cent, ich bin eigentlich ähnlich wie 50 Cent, nur dass er keine Drogen nimmt, sehr straßenorientiert ist und er sucht immer die Auseinandersetzung. Ich fühle mich sehr verbunden mit ihm. Aber 50 bleibt immer sehr einfach und deutlich, wie “I’m in da hood”, “I got a gun”, “I selled the drugs”, etc. Ich bin ein bißchen deeper, ich sage eigentlich alles immer doppel- oder mehrdeutig, und außerdem rappe ich nur in extremen Reimketten, viele Binnenreime, etc. Also ich male ich drei Bilder, während er euch nur sich selbst gibt. Es sind eben mehr Straßenbilder, die alle verstehen. Was das gute an 50 Cent ist, er ist der Beste in seiner Disziplin und der Größte, warum sollte ich mich also mit ihm messen wollen. Ich kann nicht machen, was er macht, und er kann nicht machen, was ich mache. Was den Sex angeht, bin ich tausendfach deutlicher als er. Er sagt nur so Sachen wie “Candy Shop”, bei mir bekommst Liebe zum Detail. Ich bin pornographisch, ich behandele die Frauen schlecht. Er macht das auch, aber eben sehr indirekt. Das ist der Unterschied, aber was uns alle vereint: Sex und Gewalt verkaufen sich am besten.

Ja, siehst du das so?
Necro:
Naja, denk doch an die deutsche Pornoindustrie, was geht da richtig ab? Scheißen und Fisting, oder nicht?

Hmm…
Necro:
Du kennst das also? Stehst du darauf?

Nein, nicht wirklich.
Necro:
Du stehst also auf das normale Zeug?

Hmm… nein.
Necro: (lacht) Ok, mach weiter mit deinen Fragen.

Ok, bist du eigentlich stolz auf deinen Einfluss, den du mit deiner Musik weltweit hast? Es gibt einige Gore- und Pornorapper in Deutschland, die über dieselben Sachen reden wie du.
Necro:
Das ist gut zu wissen, ich hatte davon keine Ahnung. Prinzipiell kann ich es nicht gutheißen, wenn die Leute mich nachmachen, sie sollten etwas Eigenes aus der Inspiration machen. Macht euer eigenes Ding da draußen, cool, macht ihr mich aber nach, nicht cool. In America macht niemand Porno-Rap. Ich bin der Einzige. Meines Wissens nach wird nirgend sonst auf der Welt Porno-Rap gemacht, anscheinend hier in Deutschland aber schon. Oder warte, Kool Keith und Kool G Rap haben noch Pornorap gemacht. Ich finde es gut, dass es in Deutschland so eine Szene gibt. Je mehr Fistfuck-Songs es gibt, desto mehr Gruppies werden nach den Shows gefistet. Vielleicht kriegen wir dann heute abend noch einen Blowjob hier.

Es gibt einen Rapper in Deutschland namens King Orgasmus One, der dreht selber Gruppiepornos, und hat damit schon auf internationalen Porno- und Erotikmessen Preise gewonnen. Wie findest du das?
Necro:
Davon habe ich noch nie gehört, das ist cool. Aber jetzt, wo du es sagst, ich habe heute schon ein Kiddie mit einem Porno-Rap-Basecap gesehen, das scheint hier echt angesagt zu sein. Hat das ganze auch Qualität? Gefallen dir die Pornos?

Nein, ich bin eher der Gentleman-Fucker, aber die Qualität ist gut, ich schreib euch mal auf, wie das heißt.
Necro:
Gentleman? Du bist das genaue Gegenteil von uns. (lacht) Ja, schreib uns das mal auf. Also ich akzeptiere das, dass es verschiedene Typen gibt, aber ich stehe zum Beispiel darauf, Frauen schlecht zu behandeln und sie abzuwerten. Ich denke, dass die Frauen das mögen. Mögen die Frauen in den Pornos das?

Naja, schon, aber ich bin mir nicht sicher, ob die dafür nicht auch bezahlt werden.
Necro:
Ist auch egal, Hauptsache er ist durch mich inspiriert worden (lacht), und macht jetzt richtig Business, indem er etwas ganz Großes aufzieht. Das ist wirklich cool. Im Grunde ist es mir scheißegal, ob jemand von mir beeinflußt wurde, wenn er nicht erfolgreich damit ist. Und eigentlich wird sowieso niemals jemand so gut wie ich. (lacht)

Danke für das aufschlussreiche Interview.
Necro:
Nein, ich habe zu danken. (Und an dieser Stelle folgen die Einleitungsworte…)


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