Maeckes vs. Plan B

Maeckes vs. Plan B

Beitrag vom 15. Jan, 2010 von in Allgemein | Downloads | National | Reviews | Videos

Maeckes und Plan B. Ich bin Fan und Unterstützer seit Tag eins. Erstes deutschlandweit wahrgenommenes Interview für rap.de in 2006, drei Tage Splash!-Begleitung inkl. Tagebuch für die BACKSPIN in 2007 und ein Kulturtipp für die kleine Tour des Theaterstücks “Zimmer 601″ auf BUNTE.de in 2009. Die Highlights meiner Beziehung mit Maecki und Plinch. Bekommen habe ich dafür zu jeder Zeit Musik mit Gefühl. Und mehr habe ich nie verlangt.

Nach vielen Jahren stehen nun wieder erste Solo-VÖ-Termine der beiden an. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch irgendwie habe ich das Gefühl, da stimmt was nicht. Etwas Unnatürliches passiert. Präferenzen verlagern sich, sowohl bei den beiden, als auch bei mir. Bisher war ich immer ein bißchen mehr Fan von Maeckes. Lyrisch deeper, Revoluzzer-Attitüde, melancholische, ehrliche Selbstsezierungen und der abstraktere Flow. Zum Glück immer im Zaum gehalten durch die Kompromissnotwendigkeit des Duetts.

Zum Glück deshalb, weil ich all das Gelobte auf Maeckes’ “Null” mittlerweile als Zuviel erachte. Aus lyrischer Deepness wurden überbilderte Stilmittelaneinanderreihungen, aus der Revoluzzer-Attitüde wurde zerfahrene, musikalische Experimentierfreudigkeit, aus ehrlichen Selbstreflexionen wurden belanglose Alltagsbeschreibereien und der abstrakte Flow ist einem abstrakten SingSang gewichen. An rudimentär noch existirenden Stellen, nun ja, da erfüllt er in all dem lediglich seinen selbstlosen Zweck, ohne eigenes Geltungsbdürfnis und einem leichten Hang zu immer simpleren Rhythmen.

Ich kann mit “Null” nichts mehr anfangen. Wenn ich nach Indie klingenden Krautrock auf deutsch und ohne Reime hören will, dann werde ich Spex-Leser und tue das. Und schief singen kann ich selbst, das hat nix mehr mit bewusst kontroverser Ästhetik oder absichtlich so eingesetztem Stilmittel zu tun. Kunst über Vernunft, ja, aber Kunst um jeden Preis, nein.

Der von mir in Sachen Bewunderung bisher etwas vernachlässigte Plan B hingegen hat mich mit seinem zu Weihnachten erschienenen Mixtape “Pi Pa Po” positiv überrascht. Es ist zwar nur eine Aneinanderreihung von bisher wenig gehörten Featureparts und Exclusives, also durchweg altes bis sehr altes Material, aber in dieser Zusammenstellung verdeutlicht es beeindruckend, wozu der junge Plinch noch so alles in der Lage ist. Er ist schon immer etwas mehr Rapper gewesen als Maeckes und weniger Künstler, aber nichtsdestotrotz mit einer enormen inhaltlichen Kreativität, einer hohen Wortspiel-Affinität und einem unbeschwerten, mal lustigen, mal ernsthaften, aber immer glaubwürdigen Swagger. Den Rahmen Rap weiß er so zu dehnen, dass sich die Fragen nach begrenzter Musikalität und Themenvielfalt gar nicht erst stellen.

Im Vergleich der beiden Künstler liegt zum Zeitpunkt Januar 2010 meiner Meinung nach also Plan B leicht vorne. Er ist einer der talentiertesten deutschsprachigen Rapper und scheint sein ganzes Potenzial noch nicht einmal annähernd in Anwendung gebracht zu haben. Vielleicht hat er es noch nicht einmal erkannt. Ich bin gespannt auf seine zukünftige Musik, doch meine Erwartungen an ihn sind ziemlich hoch.

Maeckes hingegen scheint sich seines Potenzials genauestens bewusst zu sein, jedoch noch keine ultimative Ausdrucksform dafür gefunden zu haben. Für mich hat er im Rap-Kontext zu jeder Zeit funktioniert, seine experimentelle Abkehr aber das Gegenteil von Konsumierbarkeit heraufbeschworen. Meine Erwartungen an ihn sind weiterhin hoch, doch erstmals ein wenig getrübt.

Alles in allem bleibe ich aber Fan, von Maeckes und Plan B.


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Ein Kommentar zu “Maeckes vs. Plan B”

  1. David

    18. Jan, 2010

    Sehr schön geschrieben und was “Null” betrifft kann ich dir nur zustimmen. Fange mit dieser EP absolut nichts an und hoffe, dass Maeckes in Zukunft andere Ausdrucksmöglichkeiten musikalischer Art sucht.

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