Interview mit KAAS

Interview mit KAAS

Beitrag vom 14. Mai, 2011 von in Allgemein | Interviews

Backstage in den Katakomben der Prinzenbar in Hamburg. Pizzaschachteln stapeln sich. Der Suff ist alle, nur noch Astra am Start. Zeit für ein Interview mit KAAS. Jener hat nämlich gerade sein neues Doppelalbum “Liebe, Sex & Twilight Zone” veröffentlicht und ist zur Zeit auf Tour durch Deutschland. Nachdem Rockstah die Bühne fulminant eröffnet und Plan B ordentlich den Swag aufgedreht hat, betritt KAAS die Bühne, wie immer begleitet von seinem als DirtyDasmo verkleideten Einhorn, welches den grössten Teil seines Albums produziert hat. Was nun folgt ist eine Entladung purer Energie, katalysiert vom Soldaten der Liebe. Er bringt alte Rapsachen, neue Rapsachen, ja sogar die neuen Eurodancesongs – das Publikum macht bei allem mit und ist für alles offen. Das gefällt. Auch die vielen angereisten Favorite Fans gehen ab und beweisen wieder mal dass HipHop Heads auch ohne Kopfschuss openminded sein können. Spätestens beim gemeinsamen Auftritt zu “Der Beweis 2″ haben ALLE ihre Arme in der Luft. Cut.

GR: Wie sicherlich ja schon alle mitbekommen haben gibt es bei deinem neuen Album ja zwei CDs, die eine ist über Liebe, die andere ist über?
KAAS: Liebe!

GR: Und was ist der Unterschied?
KAAS: Naja, ist nicht alles über Liebe – obwohl, doch, auf dem Album ist echt krass viel Liebe! Aber der Unterschied ist natürlich, es gibt ein Rap Album und ein Eurodance Album! Sprich, auf dem einen hab ich relativ normale Rap Beats gepickt, drüber gerappt und Hooks gemacht. Das andere ist ja dieses Konzept-Eurodance-Album, das ein KAAS Album ist aber sich als Eurodance Band aus den 90ern verkleidet hat. Ernsthafte Texte über Pop Beats.

GR: Wenn ich jetzt nem Gangsterrap hörendem Kumpel sagen würde “hör dir mal das KAAS Album an”, lohnt sich das für den, kommt denn zum Beispiel auch mal das Wort “Mutterficker” darauf vor oder gibt es überhaupt gar keine Schimpfwörter?
KAAS: Hm, weiss ich jetzt gar nicht.
*Stimme aus dem Off* Opfer kommt drauf vor!
KAAS: Stimmt, das kommt vor.

GR: Ist das auch ein negativ gemeintes “Opfer”?
KAAS: Ja, ist schon negativ gemeint, im Kontext allerdings ist es eher auf mich bezogen.

GR: Ich kann also im Prinzip beide CDs meiner Oma vorspielen ohne mich schämen zu müssen weil du ein böses Wort sagst!?
KAAS: Ja, stimmt, eigentlich schon, ja. Obwohl, ein Mörder mit Schlips und Messer in der Hand bringt einen Mönch um, fickt ihn in den Arsch und filmt das. Das kommt darauf vor, das ist dann quasi Anti-Oma.

GR: Okay, es gibt also nur eine Stelle, da muss ich meiner Oma die Ohren zuhalten bzw skippen?
KAAS: Der Track ist allerdings auch entschärft, alle bösen bzw anrüchigen Wörter sind zensiert.

GR: Ich hab die Frage eben gestellt weil ich vor ein paar Monaten ein Interview mit Silla gesehen habe in dem er sagt, dass wenn er seinen Eltern sein neues Album gibt, er vorher viele Songs aus der Tracklist rausstreicht weil er nicht möchte, dass sie bestimmte Sachen von ihm hören. Mich interessiert immer wie Künstler ihre eigene Kunst mit ihrer Familie teilen bzw ob sie es überhaupt können.
KAAS: Ja, also, ich mach ja Schwiegermutter Rap *lacht* Das kann man auf jeden Fall den Eltern zeigen, klar. Auf dem neuen Album ist halt dieser eine Song, der ein aggressives, blutiges Bild malt (Frau in Tansania), ansonsten ist noch “Liebe, Sex und Zärtlichkeit” drauf, quasi mein “Porno trifft Liebe-Rap” und so. Das sind Songs, die ich auch meiner Mama nicht vorspielen würde wenn ich daneben bin, ja. Aber insgesamt ist alles ziemlich harmlos.

GR: Apropos harmlos, das genaue Gegenteil davon ist ja das neue Odd Future Album “Goblin” von Tyler, the creator. Hast du es dir schon angehört?
KAAS: Ja

GR: Auf dem Album ist ja auch mindestens eine Referenz auf Einhörner, auf einem Track sagt er “I’m a fucking unicorn. And fuck you if you say I’m not.” Auf KAAS ist wie erwähnst du ja auch Odd Future, bist du ein großer Fan?
KAAS: Absolut, ja, ich find die sind das punkrockigste, coolste Rapzeug was es so gab in den letzten Jahren. Ich mag das sehr gern, auch das Visuelle bei Tyler, the Creator. Wobei ich das Album erst zweimal gehört hab und es schon sehr stressig ist *lacht* Es ist schon unfassbar anstrengend, hab mir ein bisschen mehr erwartet, das sage ich jetzt allerdings auch nach dem zweiten Hören. Aber dieses “Boppin Bitch” find ich sehr cool nach dem ersten Hören und “Kill people, burn shit, fuck school” (Radicals) ist auch ein Hit. Aber manche Sachen sind echt so…
Aber ich finds geil das es so ist, weil er ist jetzt groß rausgekommen, hat einen krassen Deal, überall kriegste die CD und er macht TROTZDEM genau die “Scheisse” und nicht so’n Lupe Fiasco – hey, jetzt mach ich Pop.

GR: Würdest du sagen dass es die Musik ist, die hauptsächlich zu diesem Erfolg geführt hat?
KAAS: Ne, auf keinen Fall!

GR:…Oder großes Management dahintersteckt, und die Jungs so Puppetmaster mässig gesteuert werden?
KAAS: Auf jeden Fall, ja. Alles, alles drumherum stimmt, also Musik, das Visuelle, die ganzen Videos, diese Aggressivität in den Bildern.

GR: Was den Output von Odd Future in den Medien angeht scheint deren Devise ja zu sein “weniger ist mehr”, könntest du dir das auch für dich vorstellen, dass du zB sagst Mixery, Rap.de und 16bars kriegen kein Interview mehr sondern nur noch XYZ kriegt eins, damit künstliche Verknappung herrscht und die Leute aktiver werden müssen und sich direkt nach dir bzw deinem Output auf die Suche begeben MÜSSEN?
KAAS: Ich find das geil wie die das machen, aber ich weiss nicht ob das bei mir nicht schon zu spät ist. Sowas muss man von Anfang an so machen. Man muss von Anfang an auf dieses Mysteriöse abzielen. Wenn ich jetzt auf einmal sage “Jetzt gebe ich nur noch EIN Interview”, dann würde das schon sehr merkwürdig rüberkommen, finde ich. Oder vielleicht auch nicht, ich probiers mal aus beim nächsten Album. *Gelächter*

GR: Jetzt mal zur Tour, wie kam das mit Favorite zustande?
KAAS: Also eigentlich durch mehrere Faktoren. Fav und ich sind uns begegnet beim Beweis Remix (beide sind auf dem Track) und wir haben in Bochum zusammen gespielt und abgehangen. Dann ist der Tourmanager von Fav sehr gut befreundet mit unserem Tourmanager und darüber hatten wir Kontakt. Und dann hat Fav natürlich Superman gemacht, da bin ich dann bei Konzerten von ihm auch auf die Bühne gekommen und hab da mitgefeiert. Und dann hat sich irgendwann ein reger Austausch eingestellt und wir haben bemerkt dass wir unsere Alben ja zum selben Zeitpunkt releasen und gesagt “Hey, lass ma zusammen auf Tour gehen, ist doch witzig.” Gerade weil es auch so ein Tag/Nacht Ding ist.

GR: Ihr habt das ja so aufgebauscht, so “beefmässig” KAAS versus Favorite – erzähl doch mal, trägt Fav verschiedenfarbige Socken oder gibt es irgendwas, was du jetzt “behind the scenes” erzählen kannst, was auf keinen Fall bekannt werden darf?
KAAS: Ne, da hab ich ne ganz langweilige Antwort. Ich war ja auch nie so der Fan von diesem KAAS versus Favorite, ich hab das nur so mit mir machen lassen weil ich ein willenloses Stück bin. Ne, ich fands natürlich witzig, aber ich hab das nie so aggressiv gesehen. Das Böse ist ja immer Favs Aufgabe, ich bin einfach der friedliche Pazifist Ghandi, der das britische Empire Favorite durch pazifistisches Meditieren besiegt *lacht*

GR: Euer Maskottchen für die Tour ist ja das Einhorn, ihr nehmt es ja auch auf die Bühne – ist es denn stubenrein?
KAAS: Hm, ne. Es scheisst auch manchmal in jede Ecke des Tourbusses, vor allem FURZT es immer.

GR: Wir reden jetzt schon beide von DirtyDasmo, oder?
KAAS: Ja, tun wir *lacht*
Es entspannt sich eine längere Diskussion über das Tourleben in engen, stickigen Tourbussen.

GR: Aber es ist ja kein wirklicher Tourbus, sondern nur ein Wohnmobil, richtig?
KAAS: Du meinst unseren Luxus Nightliner, der uns 30.000 Euro am Tag kostet?
*Stimme aus dem Off* Bushido ist neidisch auf uns!
KAAS: Ja, wir fahren in nem Wohnwagen, aber auch im grossen Tourbus mit Savas wird man von einer “Furz-Harmonie” geweckt. Das ist immer so, das ist der typische Tourwecker!
*Es fallen Wörter wie Competition, und der Zusammenhang zwischen Bohnen und Eiern am Abend und dem Aufwachen am Morgen*

GR: Okay, letzte Frage – auf dem Album hast du ja auch (noch) unbekannte Leute gefeatured wie zum Beispiel Glasperlenspiel. Wir kennen die nicht, erzähl mal was zu denen.
KAAS: Das ist ne Band, die noch kein Release hat, die wurden von Universal gesignt, die machen gerade ein Album und ich mach ja auch Songwriting – für Bands und so blabla – und ich hab für die zwei Songs geschrieben und den einen haben sie genommen aufs Album, den anderen haben sie nicht genommen aber ich fand ihn so geil, also hab ich ihn genommen. Und das ist wirklich der Song den ich für sie geschrieben habe.

GR: Alles klar, danke und viel Spass noch auf Tour!

Die Exklusivfotos entstanden beim Dreh zum Video zu Planet of Love. Einen Eindruck vom Gig in Hamburg könnt ihr euch im aktuellen Tourtagebucheintrag #6 machen.

Fotos Tobias Hoffmann (PhyreWorX)


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