Jay-Z vs. Kid CuDi

Jay-Z vs. Kid CuDi

Beitrag vom 17. Sep, 2009 von in Allgemein | International | Reviews

Es kann nur einen geben!

Theatralische Headline, ich weiß. Muss aber so. Ich lasse nämlich “Blueprint 3” und “Man on the Moon: The End of Day” gegeneinander antreten. Der Veteran gegen den Jüngling. Die Legende gegen das Two-Hit-Wonder. Hype gegen Hype. Welche Aufregung ist gerechtfertigt und welche nicht?

Blueprint 3

Eine Blaupause steht sinngemäß für etwas, dass etwas Einzigartiges darstellt, dass in der Folge dann immer wieder kopiert wird. Das war bei “Blueprint 1” definitiv der Fall. Bei “Blueprint 2” zum Großteil immer noch. Die Hitdichten bleiben bis heute unerreicht. Also muss die dritte Ausgabe sich daran messen lassen, an den Hits. “Death of Autotune” ist jedem ein Begriff und wird noch ein Weilchen Bestand haben als Postulat gegen Rapper, die singen wollen, es aber nicht können. “Run This Town” ist unterlegt mit einem Schweineteil von Beat und die verrinnenden Wochen haben gezeigt, dass man sich sogar an Rihanna gewöhnen kann. Bleibt noch “Off That” feat. Drake, der trotz seiner für Hova ungewohnten Geschwindigkeit im Vorfeld relativ unbeachtet blieb. Soweit zu dem, was man schon kannte. Roundabout ein ganzer und zwei halbe Hits.

Schauen wir mal, was das Album außerdem noch zu bieten hat. In allererster Linie natürlich Jigga. Also inhaltlich. Er ist King. Selbstverständlich. Er war es auch schon immer und in Zukunft …, na ihr dürft mal raten. Dazwischen findet man die eine oder andere emotional(?)-privat(?)-persönliche Würzung der Selbstbeweihräucherung, soweit man das bei Jay-Z zwischen den Zeilen rauslesen kann. Auf der Suche nach Hits im eigentlichen Sinne geht man auf diesem thematischen Sektor leider leer aus. Überdurchsnittliches Mittelmaß ist das Maximum, aber einen guten Durchschnitt kann noch jeder Song des Albums halten.

Also, keine Totalausfälle zu melden auf der dritten Blaupause, was schon mal mehr ist als das, was Eminem dieses Jahr vorgelegt hat. Im Qualitätsvergleich hält sich das Album so ziemlich die Waage mit “Blackout 2” von Meth & Red, was ich ohne Einschränkungen als Erfolg verbuche.

Was jetzt schon klang wie ein Fazit ist jedoch lediglich ein Aufwärmen für ein Lob, das selbst die beiden Kifferköpfe mit dem Wu auf dem Sweater dieses Jahr noch nicht von mir bekommen haben. Der ungekrönte König von New York hat sich nämlich an eine neue Hymne für den Big Apple gemacht. Und besser hätte sie ihm nicht gelingen können. Ein Song für die Ewigkeit. Klassische hüpfende Drums, hüpfendes Klavier, Jay-Zs Bildhaftigkeit und ein Gänsehautgesang von Alicia Keys in ihrer besten Form: “these streets will make you feel brand new, these lights will inspire you”. Schon mal dagewesen? Kein weiterer Kommentar.

Man on the Moon: The End of Day

Tag und Nacht habe ich Kid Cudi in den letzten sechs Monaten gehört. Immer und und immer wieder. Immer die gleichen sieben bis zehn Songs. Ein Best Of der Vorab-Mixtapes. Und soll ich es Zufall oder Geschmackssicherheit nennen, dass alle Songs aus Kid Cudis Debütalbum, die vorher schon bekannt waren, in dieser Playlist auftauchen?

Genug des Selbstlobes. Die Laudatio gehört dem Man auf dem Mond, dem Geschichtenerzähler, dem Sänger-Rapper, dem Wunderkind: Kid Cudi. Acht von 15 Songs des Albums kennen und feiern wir (darf ich euch einschließen?) also schon. Grandioser, emotionaler, in sich ruhender, minimalmelodischer Pop mit Wurzeln im Rap. Das ist die Ausgangslage und mir scheint, dass HipHop, inkl. Hörerschaft, bereit ist, den Schritt in Richtung dieses Sounds zu gehen. Zumindest hat sich niemand beschwert in den letzten Monaten. Oder?

Und zu meinem und euer aller Glück können die restlichen sieben Songs, die das Album komplett machen, den vorgelegten Standard in jeglicher Hinsicht halten. So bekommt man auf Albumlänge in fünf Akten à drei Titeln eine liebenswerte wie lehrreiche Geschichte von einem “Außerirdischen” erzählt, in unaufdringlichen, unkomplizierten, eingängigen und treffenden Melodien, die so natürlich klingen wie sie ehrlich und einfach performt sind.

Der musikalische Spannungsbogen entspricht dem der Handlung. Mal schnell, mal langsam, mal fröhlich, mal depressiv. Mal hat die Figur des Mondmannes viel zu sagen, dann rappt Cudi, mal wenig, dann säuselt und singt er.

Um es abzukürzen. Das Konzept, die Musik, die Performance und das Gefühl reichen sich hier auf höchstem Niveau die Hände. Für ein Debütalbum ist “Man on the Moon” wirklich beeindruckend: in seiner Poppigkeit in keinem Moment anbiedernd, in seiner thematischen Schwere leicht performt und in seiner Leichtigkeit mit unendlich Gefühl präsentiert. Kein Plastik, kein Rap, einfach nur guter Pop. Ein Album, das notwendig war und weltweit und genreübergreifend wahrgenommen werden wird. Ein Album, dessen Zeit reif ist. Ein Album, dass den Zeitgeist trifft. Ein Album, dass seiner Zeit voraus ist.

Bonus-Schmankerl: Day & Night (Crooker Remix) – bisher unveröffentlicht .

versus

And the Winner is: Kid Cudi. Die Begründung für den Sieger des direkten Vergleichs zweier Alben, die man eigentlich überhaupt nicht miteinander vergleichen kann, ist trotzdem einfach. Während Jay-Z zwar keinerlei Totalausfälle zu verzeichnen hat, was mehr ist als alle seiner Kollegen in diesem Jahr zu leisten in der Lage waren, hat Kid Cudi ein Album mit 80 Prozent Ohrwürmern vorgelegt. Punkt. Einwände? Abgelehnt!
Gehört vielleicht nicht hierher, aber Jigga ist ein lustiger Vogel. Hier ist er bei David Letterman zu Gast:

Thx to Criz21, Badaboom Badabang und CooldownBerlin für die Videos.


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