Jan Delay – Wir Kinder vom Bahnhof Soul

Jan Delay – Wir Kinder vom Bahnhof Soul

Beitrag vom 01. Sep, 2009 von in Allgemein | National | Reviews

Der Nachfolger

Von null auf eins in den Charts: So hat der gute Hamburger Sänger, Rapper und Produzent, wie auch Songwriter Jan Delay sich das sicher vorgestellt. In einer Reihe fantastischer, musikalischer Ergüsse über die letzten Jahre hatte der „Beginner“ doch auf allerhöchstem Niveau vorgelegt, sowohl in Sachen Erfolg als auch Kreativität, Message und Delivery. „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ steht dabei in einer Tradition der typisch undeutschen Funkyness, welche der Protagonist selbst ausleben möchte. Ginge es rein um die Wortspiele, die Jan Eißfeld anhand seiner Projekte immer wieder plakativ zu Tage befördert, wäre hiermit schon die halbe Kaufempfehlung gesichert.

So ist der Albumtitel einer vorschnellen falschen Kategorisierungsgefahr ausgesetzt. Hierbei handelt es sich natürlich nicht um Soul, nein, der nasale Delay-Lama bedient gediegen, und wie gewohnt, Funk-Instrumentale und rutscht damit teilweise in alte Falco-80er-Jahre Kamellen, was ich nach mehrmaligem Hören sowohl als sehr mutig, aber auch als abgezockt cool empfinde.

Sowieso betont Jan Delay sehr häufig die fehlende Lockerheit der Deutschen im Allgemeinen, wie auch der Musiker, die sich doch bitte nicht so sehr an starre Arbeitsparadigmen halten sollen. „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ lässt dabei die selbstgestellten Ansprüche nicht vermissen, kann sie aber meines Erachtens selbst auch nicht vollkommen erfüllen. Womit ich eigentlich bei meinem einzigen Kritikpunkt bin: Die Musik ist ganz großes Tennis, keine Frage, und Jan Delay belegt völlig zu Recht wieder Platz eins der deutschen Charts. Aber was „Mercedes Dance“ ausgemacht hat, war die Unverfrorenheit, der neue Charme und der musikalische Überraschungseffekt. „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ wirkt streckenweise eben nur wie der Nachfolger eines Klassikers und nicht wie ein Klassiker selbst. Im Zuge dessen vermisse ich den richtigen Hit, den absoluten Überknaller, den endlosen Ohrwurm, der dieses Album auf ewig unvergesslich machen sollte und könnte.

Ich bin ein großer Fan von Jan Delays künstlerischem Schaffen und bin mir auch ziemlich genau darüber im Klaren, auf welchem Niveau ich hier klage. So ist „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ am Ende zwar ein starkes Album geworden, aber kein überragendes.

Jan Delay – Oh Johnny

Jan Delay im GermanRhymes.de-Interview


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