Interview mit Motrip

Interview mit Motrip

Beitrag vom 08. Aug, 2015 von in Allgemein | Interviews

Motrip ist Chartstürmer, Kritikerliebling, das Lieblingsfeature deines Lieblingsrappers und als Krönung auch noch der bescheidenste Akteur des Genres neben all den sich auf die Brust trommelnden Gorillas. Wir trafen uns mit dem Rapper, auf den sich alle einigen können, und sprachen mit ihm über Trap auf deutsch, den lyrischen Einzelkämpfer-Modus auf seinem zweiten und aktuellen Album “Mama” sowie seine Feature-Leidenschaft und mit wem er gerne noch zusammenarbeiten würde.

Ich habe gelesen: Nach Embryo hattest du eine Zeit lang die Lust am Rappen verloren? So richtig vorstellen kann man sich das nicht. Warst du wirklich an einem Punkt, an dem du das Rappen aufgeben wolltest?
Nee, das Rappen nicht, das Releasen … auch nicht mal wirklich, weil ich Verträge habe, die mich binden. Aber ich habe ehrlich gesagt auf das Game keinen Bock mehr gehabt. Das klingt im Nachhinein auch einfach viel dramatischer als es ist. Ich hatte einfach keine Lust Blogs zu drehen und sowas. Ich wollte mich einfach nicht anpassen, 50 Wochen Promo machen müssen, Minigolf spielen, GoKart fahren, kegeln und solche Sachen. Interviews führen ist sogar noch okay. Der Austausch ist ja nicht schlimm und Presse zu bekommen ist ja auch schön. Ich kritisiere höchstens, dass man mit Künstlern nur spricht, während ein Album releast wird. Man hat so viel zu sagen zwischendurch. Manchmal denke ich, über das und das Thema könnte ich jetzt Gutes, Positives loswerden.

Nach dem Splash! 2015 ist das Phänomen „Trap auf deutsch“ so präsent wie nie. Was hältst du davon und gibt es da jemanden, den du besonders gut findest?
Also eine Handvoll Jungs kriegen das langsam hin finde ich. Das macht bei denen auch Spaß auf deutsch. In erster Linie würde ich sofort Ali As nennen, das ist der King in der Region finde ich. Er macht es eigen, er macht es, wie es sich gehört, mit unfassbaren Lines auch. Dann gibt es auch noch Rapsta, der das schon irgendwie klassischer wie die Amis macht, aber trotzdem irgendwie mit Hand und Fuß. Und wen habe ich das letzte Mal gesehen? Da war ich echt überrascht. Greeny Tortellini. Das fand ich echt gut.

Was sagst du zu Marvin Game und Mauli? Oder der Cosmo Gang?
Ich schwöre dir, dass ich weiß, dass es die gibt, aber ich habe noch keinen Song von denen gehört. Das sind alles Begriffe, die ich schon mal auf Twitter aufgeschnappt habe, aber damit habe ich mich noch gar nicht auseinandergesetzt.

Dein Album versprüht eine melancholische Stimmung, so als ob du ganz alleine dasteht und gegen alle andere kämpfen musst. Und das obwohl du nicht wenige Features dabei hast. Wie kommt das?
Ja, das stimmt, ich kenne wirklich fast jeden in der Szene und habe mit sehr vielen schon gearbeitet. Aber am Ende des Tages musst du alleine dein Ding machen, keiner wird kommen und für dich irgendwas machen. Deshalb ist der Song „David gegen Goliath“ zum Beispiel auch gar nicht nur auf die Musik zu beziehen, sondern auch auf meine allgemeine Haltung zum Leben. Man muss selber in seinem Umfeld was bewegen, sonst bewegt gar keiner was. Auch wenn dein Feind gefährlich wirkt oder die Aussichten nicht rosig sind, man muss einfach auch alleine, wenn niemand mehr da ist, was bewegen können. Das ist meine Einstellung, so gehe ich durchs Leben.

Du hast in deiner Karriere schon sehr sehr viele Features gemacht. Was ist für jemanden wie dich, der textlich locker jeden Song alleine füllen kann, der Reiz daran?
Die Synergie, die alleine einfach nicht möglich ist, weil ein Gehirn nicht zwei Gehirne sind. Ganz einfach. Auch du könntest Einfluss auf die Musik nehmen, wenn wir lange genug reden. Wenn man mit einem Künstler zusammenarbeitet, dann beeinflusst man sich gegenseitig. Das passiert einfach nicht, wenn du es alleine machst. Natürlich gibt es die Parts, die du einfach nur rum schickst im Internet, das ist dann auch meistens nix. Aber die Synergie, die im Studio entsteht, mit einer Sängerin oder einem Sänger oder einem Rapper, die ist nicht zu vergleichen mit dem Ergebnis, wenn du alleine an die Sache ran gehst. Das ist einfach schön, ich mag es einfach. Viele fragen mich, warum ich so viele Features mache. Halbe Songs fallen mir eben schneller ein als ganze Bücher. Das ist zwar nicht ganz der Grund dafür, aber oft hat man in einem Part auch gesagt, was man denkt und freut sich, noch eine andere Perspektive ran zu holen. Einfach nur, um es zu machen, weil ich als Fan in diese Szene kam und nun die Möglichkeit habe, das Sido einen zweiten Part rappt, dann freue ich mich einfach.

Hast du dir mit den Features einen Traum erfüllt? Du hast sie ja immer als deine Vorbilder genannt.
Ja, absolut. Natürlich würde ich jetzt nicht draußen rum rennen und sagen, dass Sido mir das Kiffen beigebracht hat und dahingehend mein Vorbild ist, aber musikalisch, wie die das alle gemacht haben, auf ihre Art und Weise, ob es ein Samy ist, der straight rappt, seitdem ich ihn kenne und einer der besten Rapper des Landes ist, oder ob es Sido ist, der einfach ein beneidenswertes Image hat, wenn man es so nennen kann, denn er ist einfach Sido, er macht einfach Mucke und das ist wow, das finde ich einfach großartig. Und ja, ich habe die Jungs gehört in meiner Jugend, da habe ich selbst noch gar nicht gerappt. Und heute mit denen was machen zu können, ist einfach sehr schön. Alles andere wäre gelogen, ich freue mich. Es fehlen noch ein paar, eine Handvoll. Es wären auch Eko und Savas drauf gewesen, wenn es nach mir gegangen wäre. Auch Bushido. Da wären aber auch neue Leute drauf gewesen wie Genetikk oder Disarstar. Ich mache das einfach echt gerne.

Wenn du die Reihe komplett machen willst, dann fehlen in deiner Aufzählung auch noch Features mit den Gallionsfiguren der Szene, mit Marteria und Casper. Hast du kein Interesse?
Doch doch, ich würde definitiv auch mit den beiden Songs machen. Zu Marten muss ich dir sagen, das ist einer der sympathischsten überhaupt, die ich kenne, und darüber hinaus im Game sowieso, einer der bodenständigsten Menschen. Es ist immer schön ihn zu sehen. Mit Marsi hatte ich schon die Ehre, vielleicht demnächst nochmal mit Marteria, sehr gerne. Und ähnliches gilt für Casper, nur dass wir uns gar nicht so gut kennen. Er weiß glaube ich, dass ich ihn respektiere und ich finde, dass er ein sehr krasser Rapper ist, wenn er das will. Selbst in seinen Pop-Nummern rappt er sehr sauber und sehr gut, aber wenn er mal auf normalen HipHop-Beats losgeht, da können wir als HipHop-Fans uns einfach alle dran erfreuen. Aber die Beiden sind auch auf so Sphären unterwegs, wo man ungern fragt. Es kann gerne entstehen, aber muss einfach musikalisch entstehen und dann passen. Da frage ich jetzt nicht: „Hier ist mein Beat, schickst du mir einen 16er?“ Aber wer weiß, was noch kommt.

Im Herbst und Winter geht Motrip auf Tour.
Tickets: http://www.eventim.de/motrip
Dates:
21.08.2015 SCHWERIN, Place 2Be Festival
13.10.2015 MÜNCHEN, Backstage Halle
15.10.2015 BERLIN, SO 36
17.10.2015 HAMBURG, Uebel & Gefährlich
30.10.2015 LUZERN, Konzerthaus Schüür
31.10.2015 OSNABRÜCK, Kleine Freiheit
18.12.2015 ÜBACH-PALENBERG, Rockfabrik Übach-Palenberg
19.12.2015 WIESBADEN, Kulturzentrum Schlachthof e.V.
20.01.2016 HANNOVER, Musikzentrum Hannover
21.01.2016 BREMEN, Tower Musikclub
22.01.2016 LEIPZIG, Täubchenthal
23.01.2016 MÜNSTER, Skaters Palace
24.01.2016 LINGEN / EMS, Alter Schlachthof
27.01.2016 NÜRNBERG, HIRSCH
28.01.2016 WIEN, Grelle Forelle
29.01.2016 GRAZ, ppc
30.01.2016 SALZBURG, Salzburg Rockhouse
31.01.2016 AUGSBURG, Kantine
03.02.2016 ZÜRICH, Exil
04.02.2016 KONSTANZ, Kulturladen e.V.
05.02.2016 KARLSRUHE, SUBSTAGE Karlsruhe
06.02.2016 WÜRZBURG, Bechtolsheimer Hof
07.02.2016 FRANKFURT A. M., Zoom
10.02.2016 MANNHEIM, Alte Feuerwache
11.02.2016 ULM, Roxy – Kultur in den Hallen
12.02.2016 FREIBURG, Haus der Jugend
13.02.2016 AACHEN, Musikbunker Aachen e.V.
14.02.2016 DORTMUND, FZW


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Ein Kommentar zu “Interview mit Motrip”

  1. Free Beats Downloaden

    18. Apr, 2016

    Interessantes Interview.

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