Interview mit Dexter

Interview mit Dexter

Beitrag vom 17. Okt, 2012 von in Allgemein | Interviews

Dexter ist unter den deutschen Sample-Beatmakern der erfolgreichste und gleichzeitig der bescheidenste. Chartproduktionen für Cro und Casper gehen einher mit im Vorbeidrehen gewonnen Beat-Fights. Hauptsächlich ist er jedoch Kinderarzt. Die Musik ist Entspannung, nicht Brotjob. Originalität und Kreativität stehen an erster Stelle. Vielleicht ist das sein Erfolgsgeheimnis.

Interview: Georg
Foto: Thomas von Wittich


Du bist Vollzeit Kinderarzt und gleichzeitig erfolgreicher Musikproduzent mit Goldenen Schallplatten. Wie geht das zusammen?
Für mich ist Musik machen wie für andere Leute Sport treiben. Oft komme ich von der Arbeit und setze mich hin und entspanne mich dann mit der Musik oder im Plattenladen. Deshalb funktioniert es wohl auch noch. Wirklich anstrengend wird es, wenn man nach einer Woche wenig Schlaf dann am Wochenende unterwegs ist. Ich gehe dann auch nicht immer früh pennen, sondern mische mich noch unter die Leute, die ja oft einfach auch Freunde sind. Und dann schlafe ich auch lieber bei Freunden auf der Couch als im Hotel. Das ist sehr anstrengend, aber es gibt einem auch sehr viel. Nach 2010 hatte ich so meine Zweifel, ob beides zusammen geht, aber es geht. Ich kann einfach nicht für jeden produzieren, muss bestimmte Sachen eben weglassen. Dann sind mir eher die Sachen wichtig, die mir selbst etwas geben, wo ich mich weiterentwickele. Wenn ich die Arbeit nicht hätte, würde ich dagegen, um genug Geld zu verdienen, wahrscheinlich auch Sachen machen müssen, bei denen ich Kompromisse eingehen würde, die für die Hörer dann vielleicht nur schwer nachvollziehbar wären.

Ist der Beat für Cro so ein Kompromiss?
Nein. Als die Chimperator-Leute gefragt haben, habe ich gedacht, warum nicht? Das öffnet wieder neue Türen. Natürlich gibt es da auch böse Zungen, aber im Endeffekt kam er bei mir vorbei und hat sich was Bestehendes rausgesucht. Er musste nehmen, was da ist. Ich hätte ihm jetzt nicht auf Teufel komm raus was auf den Leib zu schneidern versucht.

Wie reagieren deine Kollegen auf dein „Hobby“?
Die finden das schon cool. Und fragen dann auch nach: Was machst du jetzt am Wochenende schon wieder? Wie siehst du denn aus, was hast du denn am Wochenende schon wieder gemacht? Letztendlich führen die aber ein gänzlich anderes Leben und es ist auch nicht leicht ihnen diese Welt zu erklären, das fängt ja alleine schon beim Sachverhalt HipHop an.

Wie muss man sich dich als Kinderarzt vorstellen? Bist du streng oder verteilst du Lollies?
Nee, ich bin nicht streng. Aber ich würde auch nicht behaupten, dass ich schon immer gut mit Kindern umgehen konnte. Das musste ich erst lernen, vor allem in der Notfallambulanz, wo ein Kind nach dem anderen kommt, jedoch mit oft eher banaleren Sachen, oder wo die Eltern nicht so richtig klarkommen, oder wenn sozial schwierige Fälle kommen. Aber dadurch, dass man das Nonstopp und immer wieder und wieder macht, wächst man da halt rein. Ich scheue mich da auch nicht vor und mache auch nicht die Augen zu, ich mache einfach.

Wenn du dich von heute auf morgen entscheiden müsstest, nur noch Arzt oder nur noch Musiker zu sein, was würdest du wählen?
Dann würde ich mich wahrscheinlich für die Musik entscheiden.

Du wirkst in allem was du machst, als zurückhaltender und entspannter Typ. Wie ambitioniert bist du, bei Beat Fights zu gewinnen?
(lacht) Am Anfang hatte ich gar keinen Ansporn dort zu gewinnen. Für mich war das eher so dabei-sein-ist-alles-mäßig, vor allem weil ja auch viele Freunde dabei waren wie V.Raeter, Suff Daddy und so, das war ein Riesen Happening für uns. Da hat auf jeden Fall der Spaß im Vordergrund gestanden. Erst als ich dann so unter den letzten Drei war, habe ich mir gedacht, dass es jetzt auch cool wäre zu gewinnen. Also, mich hätte es null getroffen, da nicht zu gewinnen, vor allem da ich durch meine Arbeit auch nur bedingt Zeit hatte, mich vorzubereiten und auf viele alte Sachen zurückgreifen musste und Sachen, die ich eigentlich gar nicht zeigen wollte. Da wäre es nur fair gewesen, nicht zu gewinnen.

Und beim zweiten Mal, wolltest du deinen Titel da unbedingt verteidigen?
Ich bin fest davon ausgegangen, dass ich das nicht schaffen würde, weil wieder sehr gute Leute dabei waren, wie etwa Shuko. Als ich dann durch die Fehlentscheidung der Jury gleich in der ersten Runde rausfliegen sollte, hatte ich mich sogar ein bisschen gefreut, dass ich jetzt mit meinen Kumpels Einen trinken gehen konnte.

Ist die deutsche Beatmaker-Szene eine richtige Unity?
Also das teilt sich schon ein bisschen, zum Beispiel zwischen Synthie- und Sample-Beatmakern, obwohl es auch immer wieder Überschneidungen und Zusammenarbeiten gibt. Ich habe das Gefühl, dass die MPM-Jungs so was wie eine eigene Unity sind. Aber man muss sagen, diese Szene ist mittlerweile so groß, dass man in jede Stadt fahren kann und dort irgendwen treffen kann. Das ist wahrscheinlich ein bisschen wie die HipHop-Unity in den 90ern. Und wenn wir uns treffen, dann ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Stilen auch eigentlich kein Thema. Das passiert oft alles eher auf einer freundschaftlichen Ebene, wo man sich sowieso andere Sachen zu erzählen hat. Ohne das Persönliche könnte diese Szene aber auch gar keinen Erfolg haben.

Du hast deine Musik bisher in Form von MP3s verkauft, auf CDs und auf Vinyl. Was verkauft sich am besten?
Bei MPM funktioniert Vinyl schon am besten, wobei man sagen muss, dass wir schon auch viele MP3s verkaufen über die verschiedenen Shops. CDs laufen am schlechtesten, bei uns zumindest.

2010 war dein Jahr. Uni-Abschluss, „Jazz Files“-Lobeshymnen, „Beat Fight“-Gewinn, Dexter & Maniac-Album. Hat sich mit diesem Jahr grundlegend was für dich verändert?
Also ich habe jetzt auf jeden Fall mehr Booking-Anfragen, aber ich werde noch nicht überall auf der Straße erkannt. (lacht) Es ist ja so, dass damit mittlerweile auch ein gewisser Erwartungsdruck einhergeht, den ich aufgrund der wenigen Zeit neben meiner Arbeit manchmal gar nicht erfüllen kann. Max Herre und Marsimoto hatten zum Beispiel mal Beats angefragt, wo ich selbst schon dachte, das wird jetzt schwierig, das Level zu halten.

Kannst du von deiner Musik leben?
Ich bekomme auch viele Anfragen für Vertonungen und Auftragsarbeiten, dass ich fast aufhören könnte zu arbeiten. Aber ich habe ja gerade erst angefangen zu arbeiten. Jetzt aufzuhören, wäre mir zu unsicher. Durch die Musik und die Arbeit kann ich mir einen gewissen Lebensstandard leisten, und nur weil ich es dann etwas bequemer hätte, würde ich nicht aufhören zu arbeiten. Wenn ich mein erstes Magengeschwür habe, muss ich mir das vielleicht noch mal überlegen. (lacht)

Hängst du dir die Goldenen Schallplatten an die Wand?
Naja, ich habe gerade keine Nägel, aber sie stehen auf dem Fussboden. Ist ja schon eine coole Sache. Vor allem kam die von Casper für mich auch völlig unverhofft. Ich bilde mir da aber nichts drauf ein. Der Erfolg ist alleine Caspers Verdienst, ich bin da nur mit dabei.


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2 Kommentare zu “Interview mit Dexter”

  1. Tobias

    13. Jan, 2013

    Coller Typ, der es einfach drauf hat.

  2. Zoltan

    18. Mai, 2016

    Es gibt ein fantastisches Liveset von Dexter aus dem Stuttgarter Fernsehturm.
    http://www.zoliblaze.de/dexter-liveset-fernsehturm-stuttgart/

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