Interview mit Cro

Interview mit Cro

Beitrag vom 23. Mai, 2012 von in Allgemein | Interviews | Lifestyle

Cro will Rap so populär machen wie möglich, durch „schöne Melodien, sodass es auch Mama und Oma gefällt“. Der Erfolg gibt ihm Recht. Die Majors überbieten sich, „Easy“ geht Gold trotz Free Download, im Radio läuft sein Mixtape(!) auf Heavy Rotation. Und auch sonst drehen alle frei, wenn der Typ mit der Pandamaske in der Stadt auftaucht.

Hinter der Maske ist Cro ein chilliger Dude, der das Leben locker nimmt. Noch etwas unbedarft, aber eben auch unverbraucht. So Typ H&M-Model, das Langeweile doof findet und gerne viel Spaß hat. Ansonsten kümmert ihn nicht viel. Er scheint ein Sonntagskind zu sein, alles geht ihm leicht von der Hand. Easy halt.

Interview: Georg

Die JUICE sagt, du seist ein Alleskönner.
(lacht) Ja, die JUICE lügt.

Was kannst du denn nicht?
Oh, was kann ich denn nicht? Ja, vieles. Spanisch.

Und im Bezug auf Musik? Was würdest du gerne noch lernen?
Ich würde gerne die Instrumente noch besser spielen können. Schlagzeug fänd ich geil, das kann ich auch nicht. Vielleicht ein bisschen rumtrommeln, aber jetzt nicht so gut.

Machst du deine Beats ganz alleine, oder steht die jemand beratend zur Seite?
Nö, eigentlich ganz alleine.

Warum bist du nicht in die großen Studios gegangen, die dir für „RAOP“ angeboten wurden, sondern hast es wieder zu Hause im Keller produziert?
Also da muss man immer hin. Dann hat man fünf Stunden Zeit, um kreativ zu sein. Aber so funktioniert das nicht. Das ist wie beim Pinkeln, wenn dir jemand sagt: Stell dich da hin, pinkel, jetzt! Und dann guckt er dir dabei zu. Dann funktioniert das nicht. Das kommt halt, wenn man muss und dann muss halt ein Studio da sein. Deswegen war ich daheim. Da habe ich meinen Keller mit allem drin. Das ist perfekt. Da konnte ich den ganzen Tag chillen und machen, was ich will. Und wenn dann mal die Kreativität kam, habe ich es laufen lassen.

Dann musst du ja sehr kreativ gewesen sein. Zwischen dem Deal mit Universal und der Bekanntgabe der Veröffentlichung im Juni lag nicht sehr viel Zeit.
Ja, ich hatte für das Album nur zwei Monate. Und dann war da ja auch noch die Casper-Tour, die wir absagen mussten, weil sonst hätte ich nur einen Monat gehabt. Und das reicht ja nicht, um ein Album zu machen.

Wir wollten im Sommer unbedingt raus, weil es halt einfach Sommermucke ist, die im Winter nichts zu suchen hat.“

War das deine Entscheidung, die Casper-Tour abzusagen?
Hmhm, wir haben bis drei Tage vorher noch gedacht, dass wir das machen, dass das alles passt, aber dann dachte ich so, ich habe keine Zeit mehr und keine Tracks und kein Album. Und wir wollten im Sommer unbedingt raus, weil es halt einfach Sommermucke ist, die im Winter nichts zu suchen hat. Und da mussten wir eben die Casper-Tour leider absagen. Schon doof.

Bereust du, die Tour nicht gespielt zu haben?
Naja, so halb-halb. Ich finde es natürlich schade, weil eine Casper-Tour schon was Schönes wär, aber es war die bessere Entscheidung, sonst wäre kein Album da.

Als Ersatz spielst du diesen Sommer ja die ganz großen Festivals, so wie zum Beispiel Rock am Ring. Hast du schon Muffensausen?
Nee, ich weiß nicht, nö, irgendwie bin ich total entspannt, keine Ahnung warum. Wird schon. Also wir müssen natürlich das Programm etwas umdesignen für jedes Publikum. Für Rock am Ring anders als fürs Splash!, aber im Grunde kriegen wir das hin, dass wir nach drei, vier Tracks das Publikum haben. Das wird.

Für alles, was gerade um mich herum abgeht und passiert, bin ich echt viel zu locker. Ganz komisch.“

Du teilst dir die Bühne dort mit Metallica und solchen Bands. Woher kommt dein Selbstbewusstsein zu sagen: „Ich kann den Leuten richtig was bieten!“
Ich weiß es nicht. Ich finde, man darf keine Angst zeigen.

Also hast du doch Angst?
Ich habe auf jeden Fall Respekt vor so einer großen Bühne und vor so viel Publikum. Und jetzt habe ich wahrscheinlich noch eine große Fresse, aber wenn ich dann davor stehe, scheiße ich mir wieder in die Hose, wie immer, und könnte kotzen. Aber doch, ich glaube wirklich, dass es cool wird. Wir haben Songs, die wahrscheinlich ganz gut funktionieren live. Und dann einfach mit viel Selbstbewusstsein hoch und Witz und Spaß haben und die Menschen auch sehen lassen, dass man Spaß hat. Das wird schon gut.

Meinst du, du kannst den Spaß-Knopf immer drücken?
Wird schwierig, ja. Wenn ich mal einen scheiß Tag habe, dann merke ich das auch. Auf Tour hatten wir ja zwanzig Dates oder so, und es waren auch eigentlich alle cool, bis auf ein, zwei. Da war mein Kopf irgendwie nicht da. Den ganzen Tag war ich nicht bei der Sache, woanders und so. Und dann ging auch der Auftritt, natürlich nicht schief, aber ich war nicht so locker, cool, und das merkt das Publikum sofort. Das spiegelt sich immer, also wie man auf der Bühne ist, ist auch das Publikum. Wenn man Spaß hat und springt und gut drauf ist, sind die auch gut drauf.

Bereitest du dich in Sachen Fitness vor für solche Touren oder Großveranstaltungen?
Nö, ich fahre halt ständig irgendwie Skateboard, das hält mich fit. Oder manchmal gehe ich, wenn ich daheim chille und es schön ist, morgens joggen. Aber sonst mache ich eigentlich nix und bin nur so, wie ich bin. Und das reicht aus. (klatscht in die Hände) Ich trainiere auf der Bühne, da hampel ich rum.

Auf dem Album redest du darüber, dass deine Jungs an den See fahren, während du auf Tour gehst. Wirst du das diesen Sommer vermissen?
Voll. Aber zum Glück sind die meisten Auftritte am Wochenende. Dann kann ich unter der Woche mit denen abhängen. Das werde ich auf jeden Fall machen, ich fahre ständig heim. Und überraschenderweise kommen die Kumpels auch ganz oft mit. Die kommen überall hin. Also auf Tour waren die sieben mal da, oder so. Das ist cool. Ich hänge ständig mit der Crew ab. Das ist geil. Und ich finde das auch wichtig. Alleine macht das doch keinen Spaß, das will man doch viel lieber teilen mit jemandem.

Spürst du wirklich gar keinen Druck, der dich vielleicht auch manchmal ablenkt oder aus der Spur bringt?
Das ist verblüffender Weise echt nicht so. Für alles, was gerade um mich herum abgeht und passiert, bin ich echt viel zu locker. Ganz komisch.

Ist dir überhaupt bewusst, was …
Nee. (lacht)

 „Von Dezember bis März waren wir ja nur bei großen Labels. Gespräche, Essen und alle ziehen von jeder Seite am T-Shirt und wollen was. Und jeder bietet immer mehr und legt noch was drauf und noch was drauf, bis es halt echt zu viel war.“

… was für eine Goldgräberstimmung, was für einen Blutrausch du in der Musikindustrie ausgelöst hast? Alle wollen sie jetzt schon den nächsten Cro. Den ersten konnten sie ja nicht haben.
Doch, das habe ich mitbekommen. Das war ja Monate lang Thema. Von Dezember bis März waren wir ja nur bei großen Labels. Gespräche, Essen und alle ziehen von jeder Seite am T-Shirt und wollen was. Und jeder bietet immer mehr und legt noch was drauf und noch was drauf, bis es halt echt zu viel war. Da waren wir dann irgendwann an einem Punkt, an dem ich gesagt habe: Ciao, wir machen alles selber, es funktioniert auch so. Es ist mir bewusst, was da gerade so abgeht, und irgendwie auch nicht.

In der Geschichte der Musikindustrie wurde schon häufig mit der Masse an Kopien mehr Geld verdient als mit dem Original. Du bist jetzt der Auslöser für eine Suche nach Kopien und dafür wird richtig Geld in die Hand genommen. Wie real oder surreal ist das für dich?
Ich weiß nicht. Ich habe das noch nicht so ganz realisiert. Das ist auf jeden Fall krass. Man weiß auch nie, wie nett die wirklich waren, oder ob das nur berufsnett war. Aber ich glaube, im Grunde wollen alle nur Geld. Und deswegen dachten wir: Nein, Stopp! Das hat zu wenig mit Freundschaft und Kumpelding zu tun, was unsere Philosophie ist bei Chimperator.

Die Sorglosigkeit, die du ausstrahlst ist bemerkenswert. Gibt es auch irgendetwas, was dich nervt?
Ja, also ich finds … Natürlich lese ich solche Kommentare nicht, wenn etwas Böses kommt. Und zum Glück bin ich damit echt noch nicht so konfrontiert, mit dem ganzen negativen Zeug. Und zum Glück ist alles positiv. Aber es gibt natürlich hin und wieder Jemanden, der Quatsch erzählt, wie zum Beispiel: Cro ist nur ein Marketingopfer und bei ihm ist alles ausgedacht. Solches Zeug, das halt einfach nicht stimmt. Wenn die Leute solch einem Menschen zuhören und der es schafft, die dann auf seine Seite zu ziehen, dann finde ich das total bescheuert von diesem Menschen, der mich überhaupt nicht kennt und mit mir überhaupt nichts zu tun hat.

Du hast in den letzten Monaten die volle Dröhnung Musikbusiness gekriegt und warst viel live unterwegs. Hat dich das erwachsener gemacht?
Ich glaube so langsam wird es. Am Anfang hatte ich wirklich noch kein Plan von allem. Ich war so ein bisschen so ein Hans Guckindieluft und habe halt mein Ding gemacht, so scheiß auf alles. Aber jetzt so langsam bin ich in der Materie krass drin und muss mich damit beschäftigen, so mit ständig E-Mails lesen und boähh, E-Mails, was sind das eigentlich für … ohhhä. Aber es wird. So langsam werde ich abgecheckter. (grinst)

Beende doch mal bitte folgenden Satz für mich: Ein Hype ist der Beginn von …
(überlegt) … etwas Großem?

Was Großem?
Ja, von irgendwie … jetzt, ich glaub, jetzt ändert sich irgendetwas wieder. Ja, ich glaub hier ändert sich was. Lange wollte ich es nicht glauben, aber alle um mich herum sagen, irgendetwas ändert sich gerade.

Was meinst du damit?
Das HipHop-Riesenrad könnte sich gerade drehen.

Bist du die Antithese zum Gangstarap, die viele in dir sehen wollen?
Na, ich glaube alles existiert immer so lange, bis es zu viel davon gibt. Und wenn es von etwas zu viel gibt, dann wird es langweilig und man braucht etwas Neues. Das ist mit allem im Leben so, wenn man etwas zu lange und zu oft macht. Wahrscheinlich passiert jetzt nach mir wieder so viel in meine Richtung, dass es zu viel wird und dann kommt wieder was Neues.

Was ist dein Plan für den Fall, die Leute finden Cro irgendwann langweilig?
Maske ab und neue Identität, andere Maske (lacht).

Der Plan ist, es gibt noch kein Datum, an dem die Maske fällt. Ich will die solange wie möglich auflassen, natürlich.

Bis sich ein Genre gänzlich abnutzt, kann es ein paar Jahre dauern. Willst du die Maske wirklich noch so lange tragen?
Ich mache das auf jeden Fall abhängig davon, wie es sich entwickelt. Der Plan ist, es gibt noch kein Datum, an dem die Maske fällt. Der Plan ist, es gibt keinen Plan (lacht). Ich will die solange wie möglich auflassen, natürlich. Irgendwann wird es nicht mehr gehen, das weiß ich auch. Irgendwann kommt ein Bild, oder wird es langweilig. Dann muss der nächste Schritt kommen.

Wie könnte diese neue Identität aussehen?
Ja, doch, da hatte ich echt Ideen zu. Maske ab und mit einer Gitarre oder so auf die Bühne. Ganz anderes Ding, Tim Bendzko-mäßig. Aber nee, das mache ich wahrscheinlich nicht. (grinst)

So schnell, wie das jetzt bei dir ging, war Musik bestimmt nicht dein Plan A. Was hattest du ursprünglich mit deinem Leben vor?
Plan A war auf jeden Fall mit Markus (Anm. der Red.: Psaiko Dino) eine Grafikagentur aufzumachen.

Irgendwas mit Medien?
Mit Medien und Grafik und Photoshop und Illustrator, weil ich da der King bin (grinst). Und zeichnen kann ich ja auch ganz gut. Deswegen war das eigentlich so mein Berufsding. Das mache ich ja auch noch nebenher und ich glaube, da werde ich danach auch wieder hingehen.

Was war das Erste, was du dir von deinem Geld von Universal gekauft hast?
Ich habe mir ein neues MacBook gekauft. Und, ich lege alles weg, werde ich mir wahrscheinlich eine Immobilie kaufen. Also wenn das alles funktioniert und ich mit dem Album viel Geld mache. Achso, und ein schönes Auto. Mehr kaufe ich mir nicht. Irgend so ein Oldtimer-Cabrio-Ding, so. Da hab ich Bock drauf. Und dann nicht im Tourbus mitfahren, sondern hinterherbrettern. Mit einer schönen Frau. Das ist mein Plan, mehr brauche ich nicht.

Du wirkst als Typ sehr ICH-fixiert. Auch in deiner Musik dreht sich alles immer um dich. Gibt es irgendwas in der Welt, über das du neben deiner Musik und deinen Freizeitaktivitäten auch noch viel nachdenkst?
Naja, über das gesamte Umfeld, Freunde, Mädchen (grinst). Aber das hat ja auch alles wieder mit einem selber zu tun. Joa …

Entspricht diese Unbekümmertheit, mit der du an die Sachen rangehst, auch ein bisschen dem Zeitgeist der heutigen Jugend? Als Gegenreaktion auf die mediale Reizüberflutung, Horrornachrichten aus der Finanzwelt, ein veraltetes, unflexibles Politiksystem. Nach dem Motto: Wenn morgen die Welt untergeht, habe ich gestern eine gute Zeit gehabt?
Ja, doch, so ist es eigentlich. Meine Musik soll den Hörer vom Alltag wegreißen. Man kann sich über alles den Kopf zerbrechen und überlegen und machen und sich für etwas einsetzen, und am Ende läuft es doch eh alles so, wie es schon immer läuft. Genau. Mach dein Ding jetzt, es könnte morgen schon alles vorbei sein.

Das Album „RAOP“ erscheint am 06.07.2012.

http://cromusik.info
http://www.facebook.com/cromusic
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2 Kommentare zu “Interview mit Cro”

  1. Alex

    06. Jul, 2012

    Auch wenn es nicht unbedingt purer Hip Hop ist…absolut gute Live-Performance. Er lebt momentan von seinem Hype aber dennoch echt cool.

  2. Oskar

    18. Jul, 2012

    Ich bin sehr überzeugt von Cro.Er ist immer relaxt und das macht ihn aus,er hat noch eine Goldene Zukunft vor sich…

    PS: Super Album,ganz klar ! Besonders der Track Intro und Hässlich (nur in der Premium – Edition erhältlich) finde ich echt Klasssssse !!!

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