Interview mit Chefket

Interview mit Chefket

Beitrag vom 14. Aug, 2015 von in Allgemein | Interviews

Chefket ist mit seinem zweiten Album “Nachtmensch” angetreten, um den nächsten Schritt zu machen. Farhot hat die Platte produziert und mit der ersten Single “Rap und Soul” macht das Ausnahmetalent noch einmal deutlich, dass Rap und Gesang gleichermaßen in ihm schlummern und er beides von der Pike auf beherrscht. Wir haben mit dem “glücklichsten Rapper der Welt” über das kreative Leben in Berlin und das Kreativsein mit Farhot im Ausland gesprochen sowie die ersten künstlerischen Stationen des Wahlberliners in der Hauptstadt Revue passieren lassen.

Für dich als Nachtmensch, wie groß ist die Ablenkung vom Kreativsein in Berlin?
Ich bin hierher gekommen, um Musik zu machen und nicht um mich zu verlieren in irgendwelchen Partys. Das kann ich auch schon gerne mitnehmen, wenn ich den Ausgleich suche zur Arbeit, aber ich will hier nicht lost sein. Ich bin weit weg von meiner Family, also ist der Grund hier zu sein vorrangig, um Musik zu machen. Das habe ich auch immer gemacht und das führte auch immer dazu, dass sich in der Zukunft dadurch was entwickelt und entsteht, wie auch mit diesem Album jetzt wahrscheinlich wieder eine Veränderung herbei geführt wird.

Ich greife jetzt mal eine Zeile aus dem Albumkontext heraus. Was hat Berlin an sich, dass du hier keine Beziehungen mehr führen kannst?
Naja, ich glaube es ist für jeden unterschiedlich, aber ich denke, was für jeden gilt ist, dass es hier so viel Auswahl gibt, dass du dich einfach nicht entscheiden kannst, weil du immer denkst, da ist noch etwas Besseres. Bei mir ist es auf jeden Fall so, dass es eher an der Musik liegt. Musik ist meine Freundin gerade und ich verbringe am meisten Zeit mit ihr. Und wenn dann jemand eifersüchtig ist auf die Musik, dann funktioniert es halt nicht. Da mache ich auch keine Kompromisse. Wenn jemand mich darin hundert Prozent unterstützt, ohne die eigene Welt zu verlieren, dann okay. Aber meistens ist das nicht der Fall, die begeben sich dann komplett in meine Welt und das will ich ja auch nicht. Aber es kommt schon noch die Zeit.

Du sagst, dass Farhot der erste Produzent ist, der deine Vision komplett verstanden hat. Was unterscheidet ihn von allen vorherigen Produzenten?
Das ist eher was Zwischenmenschliches würde ich sagen. Die anderen Produzenten sind überkrass. Nimm Nobodys Face, wir haben mit dem richtig geile Sachen produziert und ich habe sehr viel von ihm gelernt, aber er ist ja auch komplett eingespannt in dieses Marteria-Marsimoto-Ding, sodass die Zeit gar nicht da war, mal richtig in die Tiefe zu gehen. Mit Farhot war das aber möglich. Der hatte zwar auch nicht so viel Zeit, der hat sie sich aber genommen. Das hat mir gezeigt, wie sehr er darauf Bock hat. Außerdem hat er mich auch menschlich komplett verstanden, sodass ich auch auf der Ebene meine Vision sehr gut erklären konnte. Es lag auf keinen Fall an der Unfähigkeit der anderen. Es spielte insgesamt eher die Zeit eine Rolle.

Wie wichtig waren die Reisen nach Dänemark, Marokko und Istanbul? War es dir wichtig, aus Berlin raus zu kommen?
Ja, aber aus seiner gewohnten Umgebung raus zu kommen ist immer wieder gut, das kann ich jedem nur empfehlen, egal wo er wohnt. Vielleicht ist der neutrale Ort, den man findet dann auch nochmal besser für den Produzenten, nicht nur wegen der Ablenkung, sondern auch wegen der Inspiration. Man hat dann manchmal auch einfach frischere Gedanken. Man hätte das aber vermutlich auch in einem Keller in Berlin machen, wenn man will. Wir hatten einfach die Möglichkeit und wollten eh gerne unterwegs sein, da haben wir das gleich mit der Arbeit verbunden. In Hamburg hat mir die Arbeitsmoral auf jeden Fall ein bisschen besser gefallen als in Berlin, weil hier geht alles irgendwie sehr langsam voran, sehr schleichend. Und ich bin halt ein Schwabe, ich kann das nicht ausschalten, ich arbeite gerne hart und das geht halt nicht mit allen Berlinern.

Was viele immer noch wissen wollen, die dich über edit kennengelernt haben: Warum genau ist das mit euch eigentlich auseinandergegangen? In der Außenwahrnehmung wurden Chefket und edit viele Jahre lang eigentlich immer zusammen gedacht. Dabei hast du nur dein Debütalbum 2009 dort veröffentlicht.
Ja, edit ist einfach kein Label, es kann gar nicht so arbeiten wie ein Label, denn es fehlen Kapazitäten, es fehlen Strukturen. edit ist einfach gar nicht dafür ausgelegt einen professionellen Musiker raus zu bringen. Es ist einfach ein Plattformen gewesen für Musiker, die in dem Umfeld waren und ich wollte darüber nur mein Album raus bringen. Und als es dann immer größer wurde, habe ich dann edit halt immer nochmal genannt, damit das für edit cool ist, damit der Name bekannt ist. Weil ich dann ja mehr mit Marteria unterwegs war und da habe ich gedacht, dass das edit noch helfen würde, dann könnten Gris und alle anderen noch mehr verkaufen. Aber ich hatte mit denen kaum zu tun eigentlich, weder habe ich Beats von einem der Leute benutzt, noch ist auf „Einerseits anderserseits“ eine Feature-Part von einem von edit dabei, noch war ich auf irgendeinem Posse-Track oder so drauf. Das die Leute mich mit edit verbunden haben, lag einfach an mir, weil ich so loyal war, weil sie meine erste Platte raus gebracht haben, dass ich mir gesagt habe, ich mache jetzt eben die ganze Zeit Alarm für dich. Warum auch nicht?

Lange Zeit galtet du und Amewu als so ziemlich untrennbar, aber eure Beziehung hat sich von außen betrachtet doch merklich abgekühlt. Liege ich da falsch?
Ich weiß nicht. Also Amewu ist ja auch Amewu, da muss man ihn auch fragen, aber von meiner Seite aus ist alles ganz normal, wie vorher auch. Ich habe mich jetzt einfach noch mehr auf die Mucke konzentriert. Und du weißt ja, wie das in Berlin ist, wenn jemand auch nur zwei Stationen von dir entfernt wohnt, ist es schon schwierig sich zu treffen. Und ich wohne jetzt auf dem anderen Ende der Stadt. Also entweder man läuft sich dann über den Weg oder halt nicht. Dadurch, dass ich mit DJ Werd auf Tour bin, sieht man sich halt immer mal wieder und wir haben ja auch noch anstehende Projekte zusammen mit Megaloh, das ist alles schon gut. Aber jeder macht halt sein Ding.

Blickst du gerne auf deinen bisherigen Weg zurück oder bist du eher ein burned bridges-Typ?
Ja, ich muss ja schon manchmal auch gucken, aber die Vergangenheit interessiert mich eigentlich nicht so. Ich hatte vor einiger Zeit das Erlebnis, dass ich in meiner Heimatstadt Heidenheim meine alte Straße mal runter laufen wollte, mich aber die ganze Zeit selbst gefragt habe: Was soll der Scheiß eigentlich, was soll diese Nostalgie? Meine Vergangenheit hat in den letzten zehn Jahren in Berlin stattgefunden, also ist die Vergangenheit dort auch schon weit weit weg. Aber auch das, was hier passiert ist, hat mich natürlich geprägt, aber für mich ist immer das Jetzt entscheidend.

Du gehst im Oktober und November auf große Headliner-Tour. Bisher hast du viel als Support Act gespielt bei Marteria und Jan Delay. Macht es für dich einen Unterschied, jetzt alleine auf Tour zu gehen?
Naja, mein Set ist halt länger und mit neuen Songs ist es natürlich immer aufregend. Ich genieße das jetzt auch mehr, wenn der Fokus ganz auf mir liegt, denn die Leute kommen nur wegen mir und kennen meine Songs und man sieht mal, wer wirklich Fan der Musik ist. Obwohl es mir auch wahnsinnig viel Spaß bereitet, mir als Vorgruppe ein Publikum zu erspielen. Ich gehe ja auch gerne auf Jam Sessions, wo mich keiner kennt und droppe dann einfach ein paar frische Bars, um zu schauen, wie sie ankommen. Also im Grunde ist es perfekt für mich jetzt mit der „Nachtmensch“-Tour, ich bin zwar der Hauptact, aber kann mit dem neuen Material das Publikum zu überzeugen.

Im Herbst geht Chefket auf Nachtmensch Tour 2015.
Tickets: http://www.eventim.de/chefket
Dates:
27.10. Wien, B72
28.10. München, Hansa
29.10. Leipzig, Conne Island
30.10. Berlin. C-Club
31.10. Münster, Skaters Palace
02.11. Köln, Underground
03.11. Stuttgart, Im Wizemann Club
04.11. Frankfurt, Nachtleben
05.11. Nürnberg, Stereo
06.11. Weinheim, Cafe Central
08.11. Dresden, Scheune
09.11. Hamburg, Knust
10.11. Bremen, Tower
11.11. Hannover, Mephisto


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Ein Kommentar zu “Interview mit Chefket”

  1. Buy beats

    17. Jun, 2016

    Der oben gepostete Song ist echt fresh!

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