Bananaboys – Back in this Bitch!

Bananaboys – Back in this Bitch!

Beitrag vom 24. Feb, 2010 von in Allgemein | Downloads | Interviews | Videos

Die Bananaboys, Wissy und KaiTakeCare, aus Plauen und Leipzig, zusammen 60 Jahre alt, veröffentlichten 09 ihr außerordentlich starkes und ehrliches Debütalbum “Die Farbe Gelb” und schieben jetzt das übertrieben gute und energiegeladene Download-Mixtape “Mache Eier” hinterher (Videosingle unten). Ihre Farbe: Gelb. Ihre Attitüde: Hoffnung. Ihr Motto: Bananen für alle.

Gleich zu Beginn: Warum ist das Ost-Thema in eurer Musik so präsent?
KTC:
Das hat uns immer schon bewegt. Ich hab damals schon zu Dilemma gesagt, dass irgendwann mal einer kommt und das Thema auf den Tisch legt, und dass das dann auch Hand und Fuß hat. Das war noch vor Joe Rilla. Und dann habe ich Rilla kennengelernt und das Cover für ihn fotografiert. Wir haben uns in Berlin getroffen, Dilemma war auch mit, und er hat uns die ganze Zeit erzählt, was ich selber schon immer vor hatte. Das war eine krasse Situation.
Wissy: Wir wollten uns das Ost-Schubladenbild mal vornehmen. Der Osten ist unterrepräsentiert und wird von den Medien schlecht bewertet. Wir haben schon immer gedacht, dass wir das auch auf eine coole Art thematisieren können. Wir wollten Rap aus dem Osten machen und zu unserer Herkunft stehen. Wir wollen uns nicht verleugnen, aber damit auch in den Westen gehen können, ohne zu fronten. Wenn die Ost-Schminke zu dick aufgetragen wird, wirkt das einfach nicht gut. Das mussten wir aber auch erst lernen. Unsere ersten Tracks besaßen auch noch eine Menge Pathos.

Welche Relevanz hat es, 20 Jahre nach dem Mauerfall noch über die Wende zu sprechen?
Wissy:
Man sieht das jeden Tag auf der Straße, man sieht das in Politsatiren oder wo auch immer. Wenn man Sprüche hört wie: „In Bottrop siehts Scheiße aus, weil immer nur Geld in den Osten gesteckt wird“, oder wenn die Leute immer noch vorrechnen, dass jeder Westdeutsche 80.000 – 90.000 Euro für Ostdeutschland bezahlt hat, dann begründet sich die Relevanz mit der Aktualität des Themas. Die Mauer in den Köpfen ist immer noch vorhanden. Dabei kann keiner was für die Politik, die von einer kleinen Elite gemacht wurde, weder der Ostdeutsche, noch der Westdeutsche. Wir waren damals alle mit dabei auf den Straßen und haben demonstriert! Das ist ein wahnsinnig historisches Ereignis und es ist schade, dass es heute so bagatellisiert wird und jeder Möchtergern-Komiker seine Witze drüber macht. Der Osten wird oft noch als der Buhmann für alle gesamtdeutschen Probleme hingestellt: Arbeitslosigkeit, Nazis, schlechte Einstellung, Faulheit, schlechte Aussprache. Eine wirkliche Integration hat bis heute nicht stattgefunden. Die Wiedervereinigung war lediglich eine Angliederung.

Funktioniert eure Musik ein Stück weit auch in Abgrenzung zu dem, was es vorher an Ostrap gegeben hat, also zum Beispiel zu Dissziplin und Joe Rilla?
Wissy:
Nein, nicht vorrangig. Man kann im Grunde auch nichts Negatives über das sagen, was da bisher erschienen ist. Es ist wichtig, dass Leute wie Joe Rilla und Dissziplin ihr Ding durchziehen, alleine schon um in den Kreisen, in denen sie wahrgenommen werden, eine Sensibilität für das Thema zu schaffen. Und ohne das werten zu wollen, wollten wir einfach nicht das machen, was andere vor uns schon gemacht haben. Wir sind das Thema einfach von unserer Sichtweise aus angegangen, haben aber natürlich auch auf den Erfolgen, Kritiken und Misserfolgen unserer Vorgänger aufgebaut.
KTC: Also der bisherige „Ost-Rap“ spricht uns natürlich schon an, wir sind ja Ostdeutsche. Aber wir sind eben auch noch viel mehr. Die Identität ist ja mehr als nur die Herkunft. Dazu gehören Hobbys, Erziehung, Freunde, Erfahrungen, uvm. Wenn uns also jemand fragt, ob wir den Osten representen, dann sagen wir: Nein, wir representen uns, aber damit eben auch den Osten, der natürlich ein Teil von uns ist.
Wissy: Wenn ich darüber rappe, dass ich mit meiner Mom im Auto richtig Ungarn sitze, weil wir ausreisen wollten, kann keiner auch nur irgendwas dagegen sagen. Das ist authentisch, das bin ich. Das Schwierige an diesem Thema ist eben, dass es so viel größer ist als HipHop und auch erst ein Bewusstsein dafür entstehen muss.

Eure Herangehensweise an das Thema bestand somit aus einem Freimachen von Konventionen, einer gewissen Unaufdringlichkeit?
Wissy:
Ja, und das symbolisiert auch der Albumtitel „Die Farbe Gelb“. Er steht natürlich für die Sonne, die Hoffnung und Leichtigkeit des Seins. Wir haben die Fesseln ja während des gesamten Arbeitsprozesses gespürt. Und durch die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema wollten wir die Hürden für uns persönlich auch loswerden. Wir wollten uns menschlich weiterentwickeln. Der graue Alltag, die Fesseln der Mentalität, das alles haben wir letztendlich wirklich auf eine lockere Art gelöst, obwohl wir das während des Prozesses selbst gar nicht so gemerkt haben.

Was sind denn eure Haupterkenntnisse über euch selbst während es Arbeitsprozesses?
Wissy:
Man sollte das jetzt auch nicht auf eine metaphysische Ebene heben mit der Selbsterkenntnis. Wichtig war im Grunde, sein Ding durchzuziehen, ohne sich reinreden zu lassen. Wirklich man selbst zu sein und somit auch ein Produkt abzuliefern, hinter dem man voll und ganz steht, und das dadurch auch nicht mehr zu kritisieren ist.

Wie kam es zu dem Namen Bananaboys? Der ist dann natürlich doch wieder sehr plakativ für Rapper aus dem Osten.
KTC:
(grinst) Das ist fly. Cormega hat mich gefragt, ob das eine Jamaican Reggae Roots Crew ist.
Wissy: Schau mal, jeder unserer Großmütter würde jetzt sagen, wir machen Urwaldmusik. (KTC ahmt eine Oma mit gebrechlicher Stimme nach) Aber nein, es gibt da einen Vorfall, der tatsächlich passiert ist. Jeder kennt das FüD 2-Battle zwischen Snuff Pro und Neuer Westen, bei dem Jesen dem schwarzen Ostdeutschen Choleriker die Banana vor die Füße wirft. Ich habe später darüber nachgedacht, dass die Banane ja auch eine Bumerang-Form hat. Außerdem gibt es so viele schöne Bananenpornos im Internet und auch auf Gangstarap bezogen, ist die Banane einfach ein geiles Symbol. Das ist lustig, irgendwie fruity und fresh, wir nehmen uns damit selbst auf die Schippe und können sagen: „Wir sind Ossis!“. Wir sind einfach die Bananaboys, so wie alle, die hier geboren sind.
KTC: Und jeder Grafiker feiert das auch.
Wissy: Das, womit man uns am meisten aufziehen können, das kleben wir uns schon selbst auf die Brust. Das ist plakativ und einfach, aber trotzdem subtil. Und es funktioniert.

Wenn man euch als „gehaltvolle Antwort auf Huss & Hodn“ bezeichnen würde, wie stündet ihr dazu?
Wissy:
Ich glaube, dass ein Großteil des Erfolges der Jungs an den 90er BoomBap-Beats liegt, die die ältere HipHop-Generation wieder feiern kann.
KTC: Ich finde uns eigentlich gar nicht so sehr boombapig. (Es folgt eine weitschweifige Exkursion über Beats im Allgemeinen – die Zusammenfassung folgt weiter unten)
Wissy: Wir haben schon sehr darauf geachtet, dass das alles gehaltvoll ist. Jeder Song sollte thematisch stark sein und für sich stehen können. Es soll nichts dazu gekünstelt wirken. Man muss als Künstler natürlich auch gewillt sein sich mit solchen Themen wie „89 Hängengeblieben“ zu beschäftigen. Wenn man sich das vor Augen führt, haben wir einen Track geschrieben, der sich einem Problem widmet, dass 20 Jahre zurückliegt. Oder man nimmt Songs auf über seine Mutter und Alkoholismus, während man dann beim Interview Bier trinkt. Wir haben es uns selbst zur Aufgabe gemacht, dass wir für uns besonders schwierige Themen auch einfach mal durchackern. Es heißt ja immer, dass man sich angreifbar macht, wenn man Persönliches erzählt, aber das finde ich gar nicht. Man lässt etwas hinter sich damit, man gibt alles zu und das macht einen dann eher stark.
KTC: Und nicht jeder will solche Probleme von anderen hören, weshalb wir auch ein großen Augenmerk auf die Musik gelegt haben. Man kann uns hören ohne uns auf den Text reduzieren zu können.

Wie kommt es, dass ihr euch so auf diesen 90er-Sound fokussiert?
Mythos (Produzent des Duos):
Ich habe früher definitiv auch versucht andere Beats zu bauen, mehr jiggy, mehr was weiß ich. Aber nachdem ich dann ein Jahr in Australien war und eine kleine Auszeit nehmen konnte, habe ich mir gesagt, dass ich erst einmal die Basics erlernen muss. Und die Basics des Beatbauens liegen für mich halt in den 90ern. Das passierte auch ganz ungezwungen, diesen Sound konnte ich einfach am meisten fühlen beim Beatbauen.
KTC: Auf die ganzen High End Synthie-Produktionen fällt mir auch einfach nichts ein. Die inspirieren mich nicht.
Wissy: Bei den ganzen überproduzierten Dingern, in denen in die Drumline acht klickende und rasselnde Geräusche gepackt wurden, das klingt oft abgekühlt und gekünstelt. Da schlägt für mich das HipHop-Herz nicht mehr.


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