Atmosphere – The Family Sign

Atmosphere – The Family Sign

Beitrag vom 20. Mai, 2011 von in Allgemein | International | Reviews

Ich bin ganz ehrlich. Atmosphere sind bisher an mir vorbeigegangen. Und damit meine ich nicht das Vorbeigehen einer heissen Blondine an einem Sommertag, wo man sich auf jeden Fall nochmal umdreht und auf den Arsch glotzt, sondern eher so, dass ich die Jungs überhaupt nicht auf dem Radar hatte, bzw, um die Analogie zu wahren – die Blondine lief direkt an mir vorbei, ALLE haben sie gesehen und ihr hinterher gepfiffen, aber ich hab Outkast gehört und mit meinem Handy gespielt. Dabei hatte ich unzählige Möglichkeiten Atmosphere zu hören/sehen, sei es auf Festivals, Konzerten, Youtube oder bei Kumpels zuhause. Es hat mich schlicht nicht interessiert. Warum? Weiss ich nicht, ist auch scheissegal, denn jetzt bin ich Fan, wenn auch spät, denn “The Family Sign” ist ihr sechstes Album.

Gleich vorweg: Das Ding kommt komplett ohne Samples aus und unterscheidet sich damit schon recht deutlich von ihrem letzten, vor drei Jahren erschienenen Album. Alles sehr musikalisch von Hand eingespielt von Produzent Ant und ein paar langjährigen Kumpels. Slug rappt alleine auf dem Album, es gibt nämlich auch keine Features. Sehr ungewöhnlich für ein Hiphop Album, macht es aber so schön persönlich. Keine eingekauften Beats, keine eingekauften Features – das bedeutet volle Entfaltung jeglicher Kreativität, denn man hat alle Zeit und Freiheit der Welt. Und das hört man dem Album an.

Es werden weder Schlampen gefickt, Drogen vertickt, noch Reime übers Reimen gekickt. Es werden Stories getellt vom Feinsten. Und zwar auf eine Art und Weise die einen das Erzählte wirklich glauben, nachvollziehen und miterleben lässt, fast so gut wie die Geschichten, die eure Mutti euch am Kinderbett vorgelesen hat. Intim, traurig, fröhlich, persönlich.

Mein Lieblingslied ist “Became”, in dem der Erzähler, also Slug, beim Campen in der Wildnis einen Freund verliert, es sich aber herausstellt dass dieser sich in einem Wolf verwandelt hat. Das ganze kommt ohne Refrain aus und ist so packend vorgetragen, man kann den Track einfach nicht skippen denn man stellt sich alles bildlich vor. Es gibt nicht wenige, die behaupten in dem Lied geht es um Slugs kürzlich verstorbenen Freund Eyedea – könnte passen, muss es aber auch nicht. Und das ist das Schöne, man kann sich seinen eigenen Senf denken, jeder hat andere Assoziationen.

Auf dem Track “Your Name here” könnte es um die Exfreundin gehen oder um einen flüchtigen Bekannten – ich persönlich mag die erste Interpretation. (“Let’s not make this into an issue / But the truth is / I don’t miss you.”)
Das Album handelt von Familie, Freundschaft (bzw. das Scheitern), Liebe (bzw. das Scheitern), Missbrauch, Tod/Leben und vielem mehr – oder auch nicht, wenn man nämlich nicht zuhört. Aber auch dann ist es ein gutes Album, man kann es im Hintergrund beim Hausaufgaben machen laufen lassen, beim Angeln am See, beim Cruisen in Vatis Passat bei offenem Fenster durchs sommerliche Brandenburg oder was auch immer ihr macht, was es erlaubt nebenher gechillte Musik zu hören.

Das Album lohnt aber erst richtig wenn man konzentriert zuhört, so viel sei gesagt.
Unbedingt reinhören!

Die Jungs sind bald auch auf Tour:

02.07.11 – Köln @ Summerjam Festival
03.07.11 – Larz @ Fusion Festival
05.07.11 – München @ Ampere
06.07.11 – Heidelberg @ Karlstorbahnhof
07.07.11 – Stuttgart @ Universum
08.07.11 – Frauenfeld, Schweiz @ Frauenfeld Festival
10.07.11 – Leipzig @ Splash Festival

http://www.rhymesayers.com/Atmosphere

Die Jungs von Rap Ohne Lizenz haben übrigens ein schönes Telefoninterview mit Atmosphere gemacht, zu finden hier.


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